Digitaler werden und menschlich bleiben

| Helga Liewald, Senior-Beraterin |


Blended Learning ist in aller Munde, schon vor Corona und jetzt erst recht. Es war Mai und die Fallzahlen dominierten die Nachrichten. Ein Auftraggeber wollte deshalb gerne Videos in das Training integriert haben. Doch wie geht eine Produktion, wenn gerade keine Web-Cams verfügbar sind, da die Produktions- und Lieferketten unterbrochen sind und meine Laptop-Webcam einfach kein professionelles Bild bereitstellt? Es sollte um Masken gehen – aber war das nicht schon bald wieder passé? Leider nicht, und so wird der Aufhänger für einen Dienstleistungskunden, ein familiengeführtes Brillen- und Hörakustik-Geschäft mit hessenweiten Filialen, noch eine ganze Weile aktuell bleiben.


Da ich selbst sehr gerne Vorträge und Themen-Interviews als Podcasts höre, dachte ich: Das ist es! Mit Podcasts kann ich ein Team abwechslungsreich abholen. Und dann war auch schon die nächste Idee geboren: Wollte der Klient nicht eine Team-Aktion im Training? Der Klient, muss man wissen, ist erfreulich offen für innovative Trainingskonzepte, weil der Prokurist findet, dass ein gutes Arbeitsklima und dem Zeitgeist angepasste Lösungen durch Bewegung im Unternehmen entstehen. Also überlegte ich: Warum könnten die Mitarbeiter nicht als gemeinsames Ziel einen eigenen Podcast produzieren? Die Idee wurde begeistert aufgenommen.


Zahlen, Daten, Fakten: Es entstand für ein kleines Team von sieben Teilnehmenden ein recht umfangreiches Konzept in fünf Phasen, die vier Wochen dauerten. In dem Podcast ging es darum, sich selbst als starkes Team zu präsentieren. Zuerst gab es Impulse für das Team in Form von Podcasts zum Thema „Starkes Team“. Im Anschluss erfolgte in Form von Blendet Learning als bunte und passgenaue Mischung aus Präsenztrainings und dem Austausch über die Lernplattform. Zum Abschluss wurde der Release des Podcast gebührend gefeiert.


Alle waren begeistert und haben unglaublich viel gelernt und entwickelt. Die Filialleiterin meinte: „Es hat sich jetzt schon ganz viel bewegt im Team und wir bleiben dran, die Anregungen umzusetzen.“ Die Stimme in den Vordergrund einer visuell dominierten Welt zu stellen, hat die Mitarbeiter und das Team für tiefgehende Themen geöffnet. Die Mitarbeiter konnten Impulse zum Thema Kundenberatung, Selbstfürsorge, Teamerfolg unter Stress und Schwierigkeiten mit Corona als Unterstützung und Weiterentwicklung sehr gut annehmen.


Das Ganze fand im laufenden Geschäft statt – ein kleines Organisationswunder, mit dem alle bewiesen haben, dass Agilität nicht nur auf dem Papier steht, sondern auch im Laden gelebt wird. Der Redaktionsschluss wurde zwar nicht eingehalten, aber Fehlerkultur war auch ein Punkt auf der Agenda. Und so konnte ich zum Schluss als Trainerin auch zeigen, dass Abweichungen vom Plan dennoch zum Ziel führen können, und zwar mit Freude an der Sache und gegenseitiger Wertschätzung. Die nächste Staffel in einer anderen Filiale beginnt in Kürze und ich bin gespannt, welche Themen dort in den Fokus rücken. Mein Mikrofon steht schon bereit.